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Besuch bei der Firma Krupp/Bilstein
Am 3. Juni stand um 10.00 Uhr der Besuch der Stoßdämpferfabrik Krupp/Bilstein in Sibiu an. Nachdem sich ein Teil der Gesamtgruppe unter der Leitung von Frau Philippi vor dem Tor der St0ßdämpferfabrik versammelt hatte, empfing uns ein Mitarbeiter zu einer kleinen Einführung. In dem äußerlich heruntergekommenen Industriegelände, grau und alt, wurde der Verwaltungstrakt durch Renovierungen auf einen modernen Standard gebracht. In einem Gästeraum erhielten wir das Grundwissen über die Struktur des Konzerns krupp, in den Bilstein in den Bereich Automobilbau eingegliedert ist. Der deutsche Produktionsleiter erklärte uns, daß die Firma Krupp eine Verbindung mit der alteingesessenen rumänischen Autofabrik Compa eingegangen war, in der diese durch das Industriegelände mit 27% und Krupp durch Bareinlagen zu 73% an dem Joint-Venture beteiligt sind. Die Vorteile dieser Lösung waren die lange Erfahrung der Rumänen im Stoßdämpferbau und die bereits bestehenden Kontakte zu Zulieferern und Abnehmern. Dies gab den entscheidenden Ausschlag gegenüber einem kompletten Neubau auf der "grünen Wiese". Dieser hätte auch in Ungarn oder anderen Ostblockstaaten errichtet werden können. Letztlich war der niedrige Lohn in Rumänien für die Standortwahl verantwortlich. Und hier kamen wir auch auf das Thema der Besichtigung zu sprechen: "Wie billig ist Arbeit im Billiglohnland Rumänien?" Hier kostet die Arbeitsstunde ca. DM 2.- bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit. Durch diese günstigen Standortbedingungen lohnt sich der Import der Rohstoffe teilweise aus Deutschland und der Rücktransport der fertigen Produkte. Dort sitzen nach der rumänischen Firma Dacia die wichtigsten Abnehmer für die fertigen Stoßdämpfer, z.B. Mercedes, Jaguar oder MCC. Diese Firmen verlangen höchste Qualitätsstandards, welche nur mit modernen Maschinen erreicht werden. Bei der anschließenden Besichtigung der Produktion wurde immer wieder auf die neu instalierten Maschinen und Roboter hingewiesen, die sehr rational und produktiv arbeiten. Diese Maschinen werden aus dem Westen zu dortigen Proeisen importiert, benötigen aber weniger Personal und relativieren dadurch den Standortvorteil Rumäniens wieder etwas. Der Vorteil dieser Anlagen ist aber ihr hoher Umweltschutzstandard, wodurch die Kontaminierung der Umwelt minimiert wird. Interessanterweise kamen auf die 600 Angestellten und Arbeiter in Sibiu nur 4 Deutsche, unter anderem der Chief Executive, Herr Dr. Schäfer. Hier wird deutlich, daß die Firma vor allem rumänische Arbeiter rekrutierte und hierdurch Arbeitsplätze in Sibiu erhalten hat, die aufgrund der für diese Region überdurchschnittlich bezahlten Löhne sehr begehrt sind. Zum Ende der Besichtigung waren uns allen die Vor- und Nachteile des Produktionsstandortes bewußt. Matthias Koch zur Ergänzung ein Bericht aus der 3 Jahre Krupp & Compa Daß die "Unfallquote" der im Vorjahr auf den Markt gebrachten Mercedes-A-Klasse auf die Stoßdämpfer von Krupp Bilstein Compa zurückzuführen sein sollte, ist so gut wie ausgeschlossen. Jedenfalls hat kein Unfallgutachter das Ergebnis des "Elch-Tests" je mit dem Hermannstädter Unternehmen in Verbindung gebracht. Krupp Bilstein Compa liefert nämlich die Stoßdämpfer für den firmenintern W168 genannten Kleinwagen der A-Serie von Mercedes. Das deutsch-rumänische Unternehmen wurde vor genau drei jahren, am 1. Juni 1996, gegründet. Die Aktienmehrheit besitzt die zum Krupp-Konzern (eigentlich Krupp Hoesch Automotive) gehörende Krupp Bilstein GmbH, Juniorpartner ist der rumänische Autozubehörhersteller Compa (früher IPAS). Seit Krupp Bilstein bei Compa eingestiegen ist - meldet das deutsch-rumänische Unternehmen zum dritten Firmenjubiläum - ist die Jahresproduktion von 50.000 auf 130.000 Stoßdämpfer und die Zahl der Mitarbeiter von 485 auf 610 gestiegen, werden Stoßdämpfer an Mercedes-Benz (für die A-Klasse und den noch kleineren Smart), aber auch an Deawoo (für den Espero, demnächst auch für den Matiz und den Nubira) geliefert, und ist im April 1998 ein zweites gemischtes Unternehmen, das Blattfedernwerk Krupp Compa Arcuri, entstanden. Damit ist Krupp, zumindest im Hermannstädter Raum, der größte ausländische Investor. weitere Berichte: |