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eMail vom 18. Juni 1999
Ich habe gerade Silvius Mail von gestern gelesen und freue mich, daß die Aktion weitergeht. Irgendwie war das schon toll mit dem Laptop und der digitalen Kamera, vor allem für jemanden wie mich, Nachkriegsgeneration, erste Box mit vierzehn Jahren, so eine Art camera obscura mit einem verglasten Loch vorne, und wenn man Glück hatte, war irgendwas auf dem Film. Da hat das technische Zeug von heutzutage doch schon ein ganz anderes Kaliber, wenn ich es auch überhaupt nicht begreife. Das gilt besonders für das Ding, vor dem ich gerade sitze und tippe. Hut, den ich nie trage, ab vor den Schülern! Ich konnte nie so schnell gucken, wie die mit ihren Fingern über die Tasten flitzten, dort was anklickten, und da was von irgendwohin in ein anderes Nichts verschoben, bis dann - unfaßbar - tatsächlich ein Photo auf dem Bildschirm erschien, richtig bunt und lebensnah. Immerhin habe ich gelernt, was "zippen" bedeutet, und daß man, wenn man ein solches Photo per E-mail verschickt, es tunlichst vorher zippen" sollte, sonst gibt es Ärger mit dem Empfänger, weil sich die Telecom nämlich riesig über die langen Ladezeiten freut.
Damit der Inhalt aber nach dieser inhaltsleeren Vorrede nicht ganz unter den Tisch fällt, krame ich etwas aus dem Archiv hervor. Es stand am Tag unserer Abreise nach Hermannstadt inhaltsschwer in der lokalen Presse, so eine Art Ausblick. Jetzt, "nach Tisch" sozusagen, ein Ausblick im Rückblick. Exkursionen in die Karpaten - per Internet in die Heimat Bericht der "Ahlener Zeitung" vom 31. 5. 1999 "Es ist wieder soweit: Vom 31. Mai bis zum 13.Juni fahren 25 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Michael mit Ihren Lehrern Dietmar Hecht und Rolf Krebs nach Rumänien ins siebenbürgische Wie bereits 1997 ist auch für diese Fahrt nach Siebenbürgen ein reichhaltiges Programm geplant und von den Hermannstädter Gastgebern mit viel Mühe und Sorgfalt vorbereitet worden. Im Mittelpunkt steht das Projekt Die politische Gegenwart Rumäniens rücken Besuche bei Banken und Industriebetrieben, in einer Siedlung der Roma, beim deutschen Generalkonsulat und Hermannstädter Bürgermeister ins Blickfeld. Einen besonderen Akzent wird die Reise durch das Internet-Projekt "E-mail aus Hermannstadt" bekommen. Die Ahlener Bürgernetz-Initiative hat den Michael-Schülern eine digitale Kamera und ein Laptop zur Verfügung gestellt. Damit werden möglichst oft Photos und Berichte vom aktuellen Stand der Aktivitäten in Hermannstadt nach Ahlen gesendet. Dieses Material stellt die Bürgernetz-Initiative als Website ins Internet. Eltern, Mitschüler, Freunde und jeder, den es interessiert, können diese abrufen unter: Sowohl für den Ahlener als auch für den Hermannstädter Schulbereich ist eine solche Internet-Aktion ein Pilot-Projekt. Es soll die Möglichkeiten testen, die das neue Medium Schulpartnerschaften bietet. Das Projekt wird in Kooperation zwischen beiden Schulen in Richtung auf Websites, die eine wechselseitige Kommunikation ermöglichen und dokumentieren, weiterentwickelt. Gerade in der gegenwärtigen Kriegszeit ist eine bewußte Begegnung mit dem Osten von besonderer Bedeutung. Die Ahlener werden sich in Rumänien mit einer völlig anderen Sicht des Kosovo-Krieges konfrontiert sehen, als sie es von Deutschland gewohnt sind. Nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der dortigen Bevölkerung steht den NATO-Einsätzen gegen Jugoslawien positiv gegenüber. Die "Hermannstädter Zeitung" spricht von 1%! In einer solchen Situation spielt menschliche Begegnung, aber auch technologisch intensivierte Kommunikation eine wichtige Rolle. Beide können einer bewußteren Wahrnehmung des anderen dienen. Die Reise nach Hermannstadt im Schatten des Krieges soll beide fördern." Ach ja, ehe wir es wieder vergessen: |