Sibiu: zurück zur HomepageSpacer...Navigationspunkte...Spacer...Ahlen: zurück zur Homepage


Delinearisierung
- Entstehung neuer Textstrukturen -

Gelbe Linie

Der Linguist Markus Nickl schreibt zum Problemfeld der Delinearisierung: "Mit dem Blick auf das Internet dürfen wir uns alle noch als funktionelle Analphabeten einschätzen. Bisher versuchen wir meist immer noch einen normalen `Papier´-Text zu schreiben und im Internet verfügbar zu machen, statt das Potential eines Hypertextes auszunutzen. Wir ähneln somit den frühen Druckern - allen voran Gutenberg -, die als Vorteil der Druckerpresse hauptsächlich sahen, daß man mit ihr Bücher herstellen konnte, die ein perfekteres Schriftbild als handgeschriebene Exemplare aufwiesen."

An einer Passage aus Ludwig Wittgensteins "Philosophischen Untersuchungen" demonstriert Nickl, worum es ihm geht:

Spacer..."Ich habe diese Gedanken alle als Bemerkungen, kurze Absätze niedergeschrieben...in raschem Wechsel von einem Gebiet zum anderen überspringend.- Meine Absicht war es von Anfang, alles dies einmal in einem Buche zusammenzufassen, von dessen Form ich mir zu verschiedenen Zeiten verschiedene Vorstellungen machte. Nach manchen mißglückten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, daß mir dies nie gelingen würde...Die gleichen Punkte wurden stets von neuem von verschiedenen Richtungen her berührt und immer neue Bilder entworfen....So ist dieses Buch eigentlich nur ein Album."

Nickl kommentiert:

Spacer..."Was Wittgenstein hier beschreibt, ist der Prototyp eines Hypertextes, in dem von den unterschiedlichsten Stellen immer wieder dieselben Sprungziele angesteuert werden können; würde Wittgenstein heute leben, so hätte er vielleicht seine `Unfähigkeit´, einen linearen Text zu produzieren, nicht als Manko empfunden, sondern zur Fixierung seiner Theorie mit einem Hypertext ein angemesseneres Medium zur Verfügung gehabt."

Für die Website "Durchs transsilvanisch-westfälische Labyrinth des Dionysos" gilt exakt Wittgensteins Vergleich mit einem Album. Daraus ergeben sich schwerwiegende methodisch-didaktische Anfragen zwar nicht an die Einzeltexte, die "Bilder" des "Albums", wohl aber an das Phänomen der neuen Texte und Geschichten, die der Hypertext durch Linkklick entstehen läßt. Diese nämlich entziehen sich weitgehend der Kontrolle des Autors. Schulpraktisch ausgedrückt: Wegen der Möglichkeit des delinearen Springens von "Bild" zu "Bild" weiß ich als Lehrer nie, welchen Text sich der einzelne Schüler gerade zusammenstellt, mit welcher Geschichte er sich beschäftigt und auseinandersetzt. Das widerspricht traditionellen Unterrichtskonzepten mit einer scharf definierten Zielplanung.

Andererseits, auch darauf weist Nickl hin: "Das menschliche Wissen wird nach den Erkenntnissen der kognitiven Psychologie in Netzstrukturen abgelegt. Da auch das WWW als Netzstruktur vorliegt, hofft man nun, daß diese formale Ähnlichkeit sich als Lernerleichterung widerspiegelt. Zum anderen ist es aber auch wichtig, daß der Leser sich seinen Weg durch den Text selbst suchen kann. Er kann somit dort einsteigen, wo er sich bereits auskennt, und dann individuell nach seinen Interessen vorgehen. Dadurch ist gewährleistet, daß er immer Anknüpfungspunkte findet, um sein Wissen zu erweitern, und somit immer vom Bekannten zum Neuen fortschreiten kann."

zum Weiterlesen:

Markus Nickl, Web Sites - Die Entstehung neuer Textstrukturen, in: Kursbuch Internet, hrsg.v. Bollmann/Heibach, Reinbek 1998.

Gelbe Linie
Durchs transsilvanisch-westfälische Labyrinth des Dionysos Westfalen berichten aus Transsilvanien Transsilvanische Berichte aus Westfalen eMail aus Sibiu/Ahlen: Einleitung Interaktion