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From: "St. Michael" <gsanktmich@freenet.de>
To: "Marianne + Dietrich Kluge" <dm.kluge@web.de>
Cc: "Dritter Weg" <triebzurwahrheit@gmx.de>
Subject: "Honestly-Concerned"-people: Unseliges Treiben
Liebe Marianne, lieber Dietrich Kluge!
Zu Ihrer Frage, ob es schon einen Termin mit Herrn Stawski gibt, möchte
ich
Sie auf dessen eigene Einlassung hinweisen. Sie finden ist Herrn Stawskis
Mail
im Forum unter dem 16. 01. 03. Meine Antwort darauf wird auch in Kürze
im
Forum erscheinen.
Was nun das "unselige Treiben" der "Honestly-Concerned"-people
betrifft,
kann ich Ihnen ein wenig von meinen eigenen Erfahrungen berichten, die
ich
seit dem 5. 12. 02 machen durfte. Ich habe inzwischen den Eindruck bekommen,
dass es sich bei den Aktiven der Mailing-Liste um zwei ganz verschiedene
Gruppen handelt: einen harten, relativ kleinen Kern, dem es um pure
Agitation geht, und einen größeren Kreis, der an sachlicher
Diskussion
interessiert ist. Es ist sehr bedauerlich, dass das berechtigte Anliegen
der
Liste, nämlich gegen antisemitische Tendenzen vorzugehen, durch die
menschlich katastrophalen Methoden des "harten Kerns" in Misskredit
gebracht
wird. Wir haben am Telephon bereits darüber gesprochen. Auch ich
durfte die
Erfahrung machen, dass diese Gruppe vor Denunziationen - in meinem Fall
bei
meinem Dienstherrn, dem Bischöflichen Generalvikariat in Münster
- nicht
zurückschreckt. Auch wenn diese Aktion einer Honestly-Dame aus dem
Schwabenlande ausgegangen ist wie das Hornberger Schießen, hätten
zarter
besaitete Gemüter wahrscheinlich spätestens da das Handtuch
geworfen. Das
scheint Kalkül zu sein. Jedenfalls empfinde ich das so. In meinen
Augen ist
so ein Verhalten, das auf die Beschädigung auch beruflicher Existenzen
zielt,
unerträglich und völlig inakzeptabel. Insofern deckt sich meine
Erfahrung
mit dem, was Sie
mir aus Ihrem Freundeskreis erzählten.
Wie ein solches Verhalten bestimmter Leute von "Honestly Concerned"
der
Bekämpfung des Antisemitismus nutzen soll, ist mir völlig schleierhaft.
Er
nutzt schamlos eine bei vielen nichtjüdischen Deutschen zu beobachtende
Gefühlslage aus, auf die Artikel im letzten "Aufbau" hinweisen
(s. mein
Beitrag im Forum vom 13.01.03: Neuer Antisemitismus in Deutschland?).
Daraus
geht u.a. hervor: Ein hoher Prozentsatz nichtjüdischer Deutscher
hat Angst
zu sagen, was sie tatsächlich zum Stichwort "Juden" sagen
würden, wenn sie
sagen dürften, was sie sagen wollten. Angst ist aber nicht nur ein
schlechter Ratgeber. Sie vergiftet auch die Atmosphäre. Das ist genau
die
Klaviatur, auf der der "harte Kern" von "Honestly Concerned"
meisterhaft
spielt. Was er damit produziert, ist eine Stabilisierung und Verstärkung
des
bereits vorhandenen Ressentiments. Lange Rede kurzer Sinn: Abgesehen von
einer menschlichen Fehlleistung, ist solches Agitieren auch taktisch
kontraproduktiv.
Allerdings gibt es auch einen sehr positiven Aspekt der Mailing-Liste.
Ihr
größerer Kreis hat sich als sehr gesprächsbereit, dialogfreudig
und dadurch
konstruktiv erwiesen. Das Forum belegt das deutlich. Für mich sind
über die
Liste wertvolle Kontakte entstanden, die ich sonst nie hätte knüpfen
können.
Hier sehe ich Möglichkeiten, auf die Gesprächsebene der wechselseitigen
Wahrnehmung zu kommen. Wie sehen wir uns gegenseitig, jüdische und
nichtjüdische Deutsche? Welche eigenen, individuellen und kollektiven
Dispositionen bedingen diese Wahrnehmung des Anderen, die einerseits überall
Antisemitismus wittert, andererseits überall den Vorwurf antisemitisch
zu
sein. Einen tendenziell paranoiden Drive haben beide Positionen. Sie
scheinen mir eine
fatale Symbiose zu spiegeln, die Maxim Biller in seiner Sammlung von
Kurzgeschichten "Wenn ich einmal reich und tot bin" die "Gummizelle"
nennt,
in die sich heute jüdische und nichtjüdische Deutsche selbst
eingesperrt
hätten. Über so etwas selbstreflexiv zu sprechen, könnte
ich mir als Inhalt
eines späteren Gesprächs mit Herrn Stawski in Ahlen vorstellen.
Damit bin ich wieder am Anfang meiner Mail und bei Ihrer Anfrage. Von
so
einem Gespräch, in dem jüdische und nichtjüdische, deutsche
Identitäten
thematisiert werden, scheinen wir noch meilenweit entfernt zu sein. Man
kann sicher auch "kleiner" anfangen. Am Anfang und als Einstieg
ist ein
Sachgespräch zu den Fragekomplexen "Israelkritik an Schulen"
und "Rolle des
Internets" sicher auch sinnvoll. Wie ich gerade erfahren habe, denkt
Herr
Stawski über die Teilnahme an einem solchen Sachgespräch nach.
Spätestens
kommenden Mittwoch wissen wir mehr.
Mit herzlichem Gruß!
Dietmar Hecht
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