From: "Roland Hornung" To: "St. Michael" Sent: Monday, December 23, 2002 11:22 AM Subject: Re: Israels Muskeljuden On 23 Dec 2002, at 11:08, St. Michael wrote: > Lieber Herr Hornung! Lieber Herr Hecht ! Shalom ! > > Zunächst möchte ich mich für Ihre Mails herzlich bedanken. Ihr Kritik an > unserer Sicht Israels verstehe ich voll und ganz. Sie enthält Reizworte, die > jeden Israel-Fan, zu denen ich mich persönlich übrigens selbst auch zähle, > gelinde gesagt befremden müssen. Dazu gehört ganz sicher das Wort > "Muskeljude". Ehe ich die Funktion und den Theoriestatus dieses Begriffs ein > wenig erläuteren möchte, ist es mir wichtig ,die Intention der Website > "Israels Muskeljuden" deutlich zu machen: > > Sie möchte zeigen: Sharon ist nicht gleich Israel. Vielen Menschen hier ist > das keineswegs klar. Da werden Sie mir sicher zustimmen können. Ich habe Sicher wird hier ( leider ) oft ISRAEL mit SHARON gleichgesetzt ! Leider unterstützen dies aber die Medien auch :-( > manchmal den Eindruck: Es will ihnen auch gar nicht klar sein. Die Medien > prägen nun einmal ein Israelbild, in dem Panzer und Soldaten dominieren. Das > entspricht dann genau dem, was man eh schon wußte: Israel = aggressiver > "Muskeljude".Gestern abend kam dazu im Fernsehen die süffisante Bemerkung, > man habe die Panzer am vierten Advent nur deshalb nicht durch Bethlehem > rollen lassen, weil das dem Image Israels schade. Also ein möglichst > friedliches Bild ist auch bloße Taktik im Grunde ihres Herzens aggressiver > Kriegstreiber. > ...auch DAS ist eine Form des latenten Antisemitismus, dass man solche Dinge süffisant Israel unterstellt :-( > Gegen diese Einseitigkeit wendet sich die Website "Israels Muskeljuden" Das > wird auf der Startseite auch klar und deutlich gesagt: Es gibt auch ein > "anderes > Israel" und das wird dann an Beispielen gezeigt. > Ich kenne eigentlich nur ein ANDERES ISRAEL ! Israel und das jüdische Volk, voller Gastfreundschaft und Herzlichkeit und Toleranz und Sehnsucht nach Frieden ! > Nun zum Begriff "Muskeljuden" selbst. Über den Diskussionskontext hier in > Ahlen informiert Sie die im Anhang zur Presseerklärung der Schulleitung > herausgegebene Projektchronik > www.ahlen.de/stmichael/projekte/presseerklaerung/projektchronik.htm Worum > es inhaltlich geht, ist, unter Aufgreifen der historischen Begriffsbildung > Max Nordaus ein Modell im Sinne eines soziologischen Idealtypus zu > entwickeln, das eine bestimmte Konstruktion von Männlichkeit zu deuten > vermag. Von der Theorie fügt sich der Begiff "Muskeljude" demnach in die > Gender-Diskussion ein. Die Männlichkeitskonstruktion des "soldatischen > Mannes" (Klaus Theweleit) wird kritisch befragt und und auf das Verhältnis > von "Militär und Geschlecht in Israel" (Uta Klein) bezogen. Wenn Sie sich > intensiver mit der Genese des Theoriemodells befassen wollen, verweise ich > Sie auf meinen Essay "Fightclub. Schwarze Sonne über Babel." > www.ruedigersuenner.de/fightclub1.html > > Ich gebe dem methodischen Einwand recht, dass es immer mißlich ist, > soziologisch-psychologische Modelle auf historische Sachverhalte anzuwenden. JA ! > Andererseits tragen sie dazu bei, Strukturen wahrzunehmen, die im > historischen Detail untergehen. Wichtig ist mir, immer im Blick zu haben: > Ein Modell ist eben ein Modell, ein Instrument der Wahrnehmung und sonst > nichts. Es ist auf keinen Fall die Sache selbst. Und schon gar nicht ist das > Modell "Muskeljude" identisch mit "Israel". Irgendwie habe ich den Eindruck, > dass da unsere Positionen in der Sache gar nicht so weit voneinander > entfernt sind. Es geht doch darum, die Akzeptanz des Staates und der > Gesellschaft Israels zu verbessern Wir versuchen das über den Weg des > "anderen Israel", Sie gehen einen andern. Beide Wege scheinen mir > komplementär zu sein. > > Für Ihr Gesprächsangebot bedanke ich mich sehr. Wir greifen es gerne auf und > würden die Diskussion weiter mit Ihnen fortsetzen, wenn Sie es möchten. > Natürlich möchte ich die Diskussion fortsetzen, und auch einmal mit Ihren Schülern diskutieren ! > Mit den besten Wünschen für die kommenden Festtage! Auch Ihnen die besten Wünsche für die kommenden Feiertage ! > Dietmar Hecht Bis bald Ihr Roland Hornung > > ----- Original Message ----- > From: "Roland Hornung" > To: > Sent: Sunday, December 22, 2002 2:39 PM > Subject: (Fwd) Israel - Information statt Kritik ! > > > > Prof.Dr. Hornung > > > Lieber Herr Hecht, > > ich denke, ich habe eine falsche e-mail-Adresse > verwendet, und sende daher mein e-mail nochmals > an Sie an obige e-mail-Adresse ! > > Shalom > > Bis bald > > Ihr Roland Hornung > > Freundeskreis Israel in Regensburg > > ( Offener Arbeitskreis zu Kultur, > Brauchtum, Gesellschaft in Israel > und zur Förderung gegenseitiger > Beziehungen und Freundschaft ) > > > ------- Forwarded message follows ------- > From: Roland Hornung > To: gymnasiumstmichael@bistum-muenster.de > Subject: Israel - Information statt Kritik ! > Copies to: gstmich@freenet.de > Date sent: Sat, 21 Dec 2002 21:25:40 +0100 > > > > 21.12. 2002 > > Prof.Dr.Roland HORNUNG > Regensburg > > > > An das Gymnasium St. Michael > Ahlen > > Herrn OSTD Hecht > > > - Israel-INFORMATION statt Israel-Kritik > > > > Sehr geehrter Herr Hecht, > > > Ihre Idee, ein e-mail-Forum zu Ihrer umstrittenen > Israel-Kritik einzurichten, ist gut. > > Im Nachhinein erteile ich Ihnen auch die Genehmigung, > mein erstes e-mail dort zu veröffentlichen ;-) > > Diese Genehmigung gilt natürlich auch für dieses hier, > mein zweites e-mail an Sie ! > > > Da ich selbst ( in einer Miets-Wohnung, mitten im Volk, > und nicht in einem Hotel, wie die Journalisten so oft ! ) > sieben Monate in Israel, in Jerusalem, gewohnt habe, und > auch vorher und nachher oft dort weile, zuletzt erst vor > etwa 3 Monaten, kann ich sehr wohl ein Stimmungsbild > der Lage in Israel geben und auch meine deutliche Meinung > zu Ihren Theorien sagen. > > > Ich kann nur die Worte von Herrn Andreas H. und besonders > von Frau Ruth F.-B. völlig B E S T Ä T I G E N ! > > > Über viele Aufenthalte, seit meiner Jugend vor 20 Jahren, > und insbesondere durch mein Leben in Jerusalem, kann ich > mit Fug und Recht sagen, dass Euere Darstellungen doch > recht oberflächlich und verfälschend sind, da sie die > Aussagen eines Einzelnen als allgemeingültig suggerieren > und diese Einzelaussagen ins Allgemeine projizieren, was > unzulässig ist. > > Ich habe eben n i c h t die von Ihnen suggerierte Mili- > tarisierung und das von Ihnen als "Muskeljudentum" be- > zeichnete Verhalten erlebt, sondern im Gegenteil: > > Sehr viel Toleranz und Freundlichkeit und Gastfreundschaft > erfahren und echte Freundschaft und Herzlichkeit erlebt ! > > Vielleicht, weil ich UN-VOREINGENOMMEN den wunderbaren > Menschen in Israel begegnete, und nicht mit Scheuklappen > und vorgefertigter Meinung und pauschalen Stereotypen > meinem Gastvolk gegenübertrat ! > > > Vielleicht ein Vorschlag: Bevor man immer gleich so rasch > mit KRITIK, hier mit Israel-KRITIK, bei der Hand ist, > sollte man im Interesse von Gerechtigkeit und Völkerver- > ständigung und Weltoffenheit und Freundschaft erst einmal > eine Arbeitsgruppe mit dem Thema " Israel - INFORMATION " > gründen; denn gerade hier scheinen ja massive Defizite > zu herrschen. Diese Information sollte wertneutral - nicht > aufgrund von Aussagen eines Einzelnen - erfolgen, und kann > dann durch Berichte mehrerer Seiten beleuchtet und ergänzt > werden. > > Hierfür stelle ich mich gerne zur Verfügung. > > > Außerdem bin ich gerne auch bereit, bei Ihrer Veranstaltung > im Januar zu diesem brisanten Thema mitzuarbeiten, mit Rat > und Tat, und wenn es mein Terminplan zulässt, gerne auch > persönlich mit einem Vortrag oder, besser noch, in einer > Diskussion mit den Schülern. > > Freundliche Grüße > Bis bald > Ihr Roland Hornung > ( Prof.Dr. Roland Hornung )