e-mail: ruth@dsmag.co.il An: info@pott-nahost.de; gymnasiumstmichael@bistum-muenster.de Thema: Ihr Kurzportrait Israels auf Ihrer Homepage http://www.pott-nahost.de/land/isra_kurz.html Sehr geehrter Herr Pott, Ihr Name begegnete mir zunaechst in einer Besprechung Ihres Buches "Schuld und Suehne im Gelobten Land" durch Norbert Jessen in "Die Welt" vom 12.05.2002 "Juedische Mitbuerger im Nahen Osten" http://www.welt.de/data/2002/11/30/20824.html?search=Pott&searchHILI=1. In diesem Zusammenhang wird Ihnen attestiert, dass es Ihnen darum ginge, Schuld auf die "Opfer" (= Juden) abzuwaelzen. Des weiteren wurde ich auf Sie aufmerksam gemacht durch Ihre Projektarbeit am St. Michael Gymnasium in Ahlen, wo Ihre Expertise anscheinend dahingehend eingesetzt wurde, den Schuelern, die an diesem Projekt teilnahmen, Ihre verzerrte Wahrnehmung des Staates Israels und seiner Rolle im Nahostkonflikt nahezubringen. Daraufhin ging ich zu Ihrer Homepage, wo ich mir Ihre Angaben zu Israel unter "Land und Leute" ansah. Im folgenden moechte ich auf den Text Ihres Kurzportraets eingehen, um Ihnen falsche und verzerrende Aussagen vorzufuehren. Da Sie nach eigenen Angaben ein Geschichtstudieum abgeschlossen haben (ich uebrigens ebenfalls, Neuere Geschichte, M.A. LMU, Muenchen 1982), kann ich mich nur wundern, dass Ihnen derartige Lapsi ueberhaupt passieren konnten, es sei denn, es ginge Ihnen lediglich darum, eine vorgefasste Meinung, wie von Herrn Jessen in der Welt festgestellt (s.o.) zu rationalisieren. In Klammern < > finden Sie jeweils Ihren eigenen Text, jeweils dazwischen geschoben meine Kommentare. Was meinen Sie mit dem Wort “gleichberechtigt” in diesem Zusammenhang? Prinzipiell sind Staaten gleichberechtigt, insoweit als jeder Staat souveraen ist. Gleichberechtigung im Sinn von gleich grosser Flaeche, gleicher Bevoelkerungszahl oder auch gleicher Regierungsform macht jedoch keinen Sinn und eine solche Absicht lag dem Teilungsbeschloss der UN auch keineswegs zugrunde. <...- durch den Nationalrat der Juden in Pal?stina ausgerufen.> sollte nicht auch erwaehnt werden, dass der Teilungsplan von arabischer Seite abgelehnt wurde und auf die Ausrufung des Staates Israels umgehend mit Krieg reagiert wurde? Das ist so nicht richtig. Die zionisitische Bewegung war seit Mitte des 19. Jahrhunderts aktiv. Groessere Einwanderungswellen gab es bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts. Gerade waehrend des 2. Weltkriegs gelang es vielen Juden aufgrund der restriktiven britischen Politik (das beruechtigte Weissbuch!) nicht, sich in Palaestina in Sicherheit zu bringen. Diese Aussage ist so nicht haltbar. Das britische Mandatsgebiet nannte sich Palaestina, alle Einwohner des Mandatsgebiets hatten als Nationalitaeteneintrag in ihren Ausweisen, Palaestinenser, auch die Juden, von daher Golda Meirs Ausspruch “ich bin Palaestinenserin”, siehe auch den Namen, den sich die fuehrende, von Juden herausgegebene Zeitung in englischer Sprache gegeben hatte “Palestine Post”.. Die Araber im Mandatsgebiet nannten sich selbst noch nicht Palaestinenser. Zum Zeitpunkt der Gruendung Israels hatte das Mandatsgebiet (die Grenzen des Staates Israel wurden ja erst durch den Kriegsverlauf bestimmt) ca. 600,000-700,000 juedische Einwohner und ca. 800,000-1,100,000 arabische Einwohner. Im Unabhaengigkeitskrieg flohen ca. 600,000-900,000 arabische Bewohner, die anderen blieben und wurden israelische Staatsbuerger <...wurde umgehend durch die USA und die damalige UdSSR anerkannt. Seit seiner Gr?ndung befindet sich das Land im (kriegerischen) Dauerkonflikt mit seinen arabischen Nachbarn ...> Es wird verwischt, dass die Aggression von arabischer Seite ausgeht. <...und mit den Pal?stinensern, die seither für ihren eigenen Staat kämpfen. > Die Palaestinenser identifizieren sich als “Palaestinenser" erst seit den 60er Jahren des 20. Jh. Die PLO wurde 1964 gegruendet und kaempfte damals (und da die PLO-Charta bis jetzt nicht geaendert wurde, wohl auch heute noch) mit dem Ziel, Israel zu vernichten, um den Staat Palaestina an seiner Stelle gruenden zu koennen. Die Millionen pal. Fluechtlinge enstanden durch die “Zuechtung” von Fluechtlingen, wie sie von den arabischen Staaten unter Mithilfe der UNWRA betrieben wurde und wird. Die urspruenglichen Fluechtlinge werden nach wie vor in Lagern gehalten und Berufsverboten und anderen Einschraenkungen (z.B. kein Immobilienerwerb) unterworfen. Ruehmliche Ausnahme ist Jordanien. Dank einer der hoechsten Geburtenraten der Welt entstanden aus urspruenglich weniger als 1 Million Fluechtlinge inzwischen 4-9 Millionen “Fluechtlinge”. Die Gleichsetzung von Terroranschlaegen mit Armeeaktionen eines demokratischen Staates (dessen Armee demokratischer Kontrolle unterworfen ist) ist eine bedenkliche Verzerrung. Der Begriff "Vergeltung wird, wie ich bereits mehrfach feststellen konnte, ueberwiegend im Zusammenhang mit israelischen Aktionen eingesetzt, wohl um das antisemitische Klischee von juedischer Rachsucht zu aktivieren. Bei Aktionen gegen Terroristen, die von anderen Laendern wie z.B. den USA ausgehen, wird ein solcher Zusammenhang kaum hergestellt. De facto nimmt Israel ebenso wie andere Staaten zunaechst einmal seine Aufgabe war, das Leben, die Unverserhrheit und das Eigentum seiner Buerger zu schuetzen. Diese Angaben habe ich nicht nachgerpueft. Ich wuerde mich ueber eine Stellungsnahme freuen. Mit freundlichen Gruessen Ruth Fink-Bracha Josef-Tekoa-St. 7/5 Beer Sheva Israel Tel: +972-8-640 94 96 Fax: +972-8-646 5505 e-mail: ruth@dsmag.co.il Mitglied bei http://www.honestly-concerned.org - Einer Gruppe besorgter Buerger die sich fuer eine wahrhaftige Nahostberichterstattung und gegen Antisemitismus einsetzt