Der dualistische Mensch

 

Hell gegen Dunkel, Gut gegen Böse, Ordnung gegen Chaos - ein ewiger Kampf in einer dualistischen Welt, welcher, laut Bibel, im Schöpfungsmythos seinen Anfang nahm. An vorderster Front steht Gott, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den schleichenden, unbekannten, unberechenbar- boshaften Teil der menschlichen Seele (Chaos) systematisch zu bekämpfen. Um das Böse im Menschen soweit wie möglich zu reduzieren, liefert uns die Bibel mit ihren Geboten und anderen an die Moral appellierenden Geschichten eine Anleitung.

Jedoch gelingt es dem Menschen nicht immer, das innere Chaos in sich zu unterdrücken. Der vom Menschen nicht ausgelebte Seelenteil (Chaos) tritt dann um so stärker hervor. Von daher muß man sich einmal die Frage stellen, ob es gut ist, sich auf ein Kampf gegen das Böse einzulassen. Führt nicht gerade die mangelnde Konfrontation zu einer einseitigen Betrachtungsweise der Welt?

Mephisto im Faust versucht diese Vorurteile gegenüber dem Bösen abzubauen:

Zitat: „(...) Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

          Ich bin der Geist, der stets verneint.”

Genau dieses Verneinen ist z.B. eine gute Möglichkeit für den Menschen, sich eine Individualität zu schaffen. Da das Böse also durchaus eine Bereicherung der menschlichen Seele darstellt, wäre eine Einheit der Gegensätze nach dem Prinzip des Tao eigentlich erstrebenswert. Genau dieses Harmonieideal deutet auch Kurt Sinners in seinem Gedicht „Verwirrung” an: Die symmetrische äußere Ordnung steht hier im völligen Kontrast zu den chaotischen Buchstabenreihen dar, aus denen das eigentliche Wort im Laufe des Gedichtes nicht mehr erkennbar ist.

Bei der Beschreibung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau ist der bereits oben schon erwähnte Dualismus problematisch. Der Frau wird von den Männern immer nur mit dem Bösen assoziiert, wie folgende Tradition aus Bali deutlich macht:

 

Im Barong-Tanz wird der Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt. Während die Hexe Rangda versucht, Zwietracht unter den Männern eines Dorfes zu säen, versucht Barong, ein mythisches Wesen, die Männer zu besänftigen und einen Kampf zu verhindern.

Diese Rollenklischees haben wir im gleichnamigen Text genauer beleuchtet.

In Ingeborg Bachmanns Text „Undine gehtund dem dazugehörigen Problemaufriß wird der Geschlechterkampf  jedoch einmal aus der ungewohnten Perspektive einer Frau beleuchtet.

Ingeborg Bachmanns Undine sieht in einer Konfrontation und der anschließenden Vereinigung der Gegensätze den einzig wirklichen, aber nicht realisierbaren Lösungsansatz zur Überwindung der Vorurteile zwischen den Geschlechtern.