Schon seit Urzeiten will ER durch aufgesetzte Sachlichkeit Macht und Stärke demonstrieren. Schon seit Urzeiten scheint SEINE körperliche und geistige Überlegenheit festzustehen. Emotionalität: Für IHN ein Zeichen von Schwäche. Der vernunftbegabte, machtbesessene Mann und die sentimentale, dem Mann gehorchende Frau hinter dem Herd. Diese Männerdominanz innerhalb der Gesellschaft wirft Fragen nach dem „warum“ auf.
Welche Ursprünge könnte insbesondere das Negativ- Image der Frau haben- und
inwieweit ist es heute noch vertreten? Wir sind diesen Fragen einmal
nachgegangen.
Die Basis einer sexuellen Fortpflanzung ist die
Existenz des männlichen und weiblichen Geschlechtes. Frauen bringen die Kinder
zur Welt. So entsteht schon durch das Trinken der Muttermilch eine sehr enge
Mutter- Kind- Beziehung. Damit wurde die an sichere Lager gebundene
Kinderziehung schon früh zu einem Aufgabenbereich der Frau, mit dem Kochen und
andere Hausarbeit einherging. Der Mann mußte hingegen die Rolle des Ernährers
übernehmen. Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und ein Killerinstinkt waren für
den Jagderfolg wichtig. Emotionalität (z.B. Tiere als niedlich zu betrachten)
war fehl am Platze. So setzte sich wahrscheinlich neben einem stabileren
Körperbau auch eine ausgeprägtere Rationalität beim Mann durch. Die
gemeinsame Jagd verursachte sicherlich auch eine verstärkte Rivalität der
unter den Männern. Wer sich in diesem Bereich am besten behaupten konnte, war
hoch angesehen und bekam evtl. sogar größere Essensrationen zugeteilt. Eine
Rangordnung entwickelte sich unter den Männern. Da die Frauen nicht an der Jagd
teilnahmen, wurde diesen auch das letzte Glied innerhalb der Rangordnung
zugewiesen. Durch die
Überlebensstrategie der Arbeitsteilung haben sich also evtl. schon
geschlechterspezifische Charaktermerkmale herausgebildet, die für die gesamte
weitere Entwicklung der Rollen von Frau und Mann innerhalb der Gesellschaft
prägend waren.
Zweiter
möglicher Faktor: Die ReligionSchon in der Bibel übernimmt der Mann die Rolle des Guten. Die Frau hingegen wird immer als das personifizierte Böse betrachtet, das zusätzlich auch noch die Männer zu Sünden verleitet. Als Beispiel hierfür kann man sich die Bibelstelle vor Augen führen, in der Adam von Eva dazu verführt wird, in den verbotenen Apfel vom Baum der Erkenntnis zu beißen.
Spätestens seitdem haftet der Frau immer wieder das Image der zum Bösen verleitenden Verführerin an.
Das1487 erschienene Buch „Hexenhammer“des Kirchenmannes Heinrich Institoris ist besonders auf den für die europäische Hexenverfolgung typischen Frauenhass geprägt und bezeichnet solche u.a. als „unvollkommene Tiere“. Weiterhin wurde vielen Frauen vorgeworfen, nachts heimlich Bündnisse mit dem Teufel zu schließen, wie man es auch auf dem nebenstehenden Bild sehen kann.
In anderen fundamentalistisch- islamischen Religionen müssen die Frauen noch heute einen Gesichtsschleier tragen, um die Männer nicht mit ihrem Bösen Blick zu betören.Warum dieses Negativ- Image? Um eine logische Erklärung dieses Verführerinnnen - Images
zu finden, sollte man sich zuerst einmal die Tatsache vor Augen führen, daß die sich den Frauen überlegenen fühlenden Männer sich trotzdem immer wieder von der zarteren, graziöseren Gestalt der Frau angezogen fühlten. Dieses Gefühl entlarvte sich als die einzige Schwachstelle des rational denkenden Mannes, der dem Charme einer schönen Frau verfiel und so die Macht über seine Sinne verlor. Vielleicht waren es gerade diese beim Anblick einer Frau im Mann erwachten Gefühle, die den Mann schon früh dazu veranlassten, die Frau als das Böse zu betrachten. Die Männer wollen um keinen Preis ihre Vormachtstellung in der Gesellschaft aufgeben, spürten jedoch, daß sie immer wieder vom Wesen der Frauen in ihren Bann gezogen wurden. Sie fühlten sich deshalb von den Frauen um ihre Macht betrogen.
Die Bibel verbietet jegliches Ausleben von Trieben. Immer wieder wurde der Frau durch ihre (unbeabsichtigte) verführerische Wirkung auf Männer die von der Kirche angeprangerte Triebhaftigkeit („unvollkommene Tiere“) vorgeworfen. Gerade dies könnte für die Männer ein möglicher Grund sein, sie als die Ursache allen Bösen in der Welt zu betrachten. Diese durch und durch guten Männer glaubten an eine Untergrabung ihrer Macht durch die Frau , die das männliche Geschlecht zu allem Überfluß noch dazu verleitet, Böses zu tun.
Man kann deutlich nachvollziehen, daß die Kirche in manchen Epochen gerade
durch spezifische, frauenfeindliche Bibelauslegungen
sogar einen Geschlechterkampf provoziert hat, der deutlich über das Maß des
Alltäglichen hinausging- die Inquisition ist hierfür ein Extrembeispiel.
In der
Gesellschaft des technischen Fortschritts existiert kein Aberglaube mehr,
scheinbar verschwunden sind die einstigen Negativ- Images der Frau am Anfang des
19. Jahrhunderts- solange diese weiter die unterwürfige Hausfrau und Mutter
spielt. Wenn aber Frauenrechtlerinnen in diesen Jahren ins Licht der
Öffentlichkeit rückten und für die Emanzipation eintraten, mußten sofort
Gegenmaßnahmen von der männerbeherrschten Welt ergriffen werden, wie dieses
Bild zeigt:
Emmeline Pankhurst war
eine der radikalsten Aktivistinnen der britischen Frauenrechtsbewegung. Sie rief
zu zivilem Ungehorsam auf, organisierte Massenstreiks und -demonstrationen,
scheute auch nicht vor terroristischen Mitteln zurück und kam für ihre
Aktionen mehrmals in Haft. Das Photo zeigt Emmeline Pankhurst bei einer erneuten
Festnahme im Jahr 1913.
Auch von den in ihren Rollenklischees verharrenden Frauen wurden diese anfänglich verachtet, fanden aber im Laufe der Jahre immer mehr Zuspruch.
Da die Männer sich jahrzehntelang sträubten, die Frau als gleichwertig zu
betrachten und auch jetzt ihre Dominanz in der Gesellschaft nicht verlieren
wollten, liegt die Vermutung nahe, daß die Männer folgenden Satz trotz allen
Fortschrittes immer noch bejahten:
Warum? Das andere Geschlecht wollte wieder einmal
seine dominierende Rolle innerhalb der Gesellschaft nicht verlieren. Am besten
kann man das am Beispiel Pablo Picassos deutlich machen. Francoise Gilot,
jahrelange Lebensgefährtin des Künstlers, zitiert ihn in ihrem Buch „Leben
mit Picasso“ folgendermaßen:
„Frauen sind entweder Göttinnen oder Fußabtreter“
Damit meinte er, daß jeder Frau diese beiden
kontrastierenden Wesensmerkmale innewohnen.
Entsprechend behandelt er sie auch: An einem Moment
konnte er nett und freundlich zu Francoise
sein, im nächsten Moment war sie ein Spielball seiner ständig
schwankenden Launen, die ihn auch öfter dazu trieben seine Frau regelrecht zu
schikanieren. Das ganze Zusammenleben wurde nach SEINEN Spielregeln gestaltet.
Immer setzte er sich durch. Daß die Ehe durch die Freiheitsbestrebungen von
Francoise in die Brüche ging, wundert angesichts der Tatsachen niemanden. Sie
selbst schrieb in ihrem Buch: „Ich konnte ihn nicht mehr ertragen“
Emanzipation- eine notwendige Entwicklung der Frau zu ihrer eigenen
Identitätssuche. Für die Männer war es noch vor 50 Jahren unvorstellbar, daß
ein z.B. Großteil der Frauen eines Tages berufstätig sein würde. Heute ist
dies selbstverständlich geworden. Es ist schwer zu sagen, ob das Negativ- Image
auch im beginnenden neuen Jahrtausend noch immer eine Rolle spielen wird oder ob
die Menschheit endlich in der Lage sein wird, den Ballast vergangener
Generationen von sich abzustreifen. Wir werden sehen, was die Zukunft uns
bringt.
Ingeborg Bachmann präsentiert mit ihrem Text „Undine geht“ Lösungsansätze dieses Geschlechterkampfes.