Goebbels,
Michael und der Antichrist
!929 schrieb Joseph Goebbels, der spätere
Reichspropagandaminister Hitlers, den Roman „Michael - ein deutsches
Schicksal“. Dort finden sich Sätze wie: „Wer den Teufel nicht hassen kann,
der kann Gott auch nicht lieben. Wer sein Volk liebt, der muss die Vernichter
seines Volkes hassen, aus tiefster Seele hassen.“ Für den Teufel steht hier
der Russe Iwan Wienurowski, einst der Freund des deutschen Studenten Michael.
Als Iwan sich jedoch zum Kommunismus bekennt und Michael zum Internationalismus
bekehren will, wandelt sich die Freundschaft in haßerfüllte Feindschaft.
Michael fühlt sich seines Vaterlandes beraubt. Er zieht sich in sich selbst zurück
und schreibt einen Christusroman, was übrigens auch Goebbels selbst unter dem
Titel „Judas Isckariot“ tat.
Michael kommt zu dem Schluss: „Die Zukunft kann nur
aus einem Endkampf zwischen der deutschen und der russischen Seele
entwachsen.“ Für diese Zukunft will er arbeiten. Er bricht sein Studium ab
und geht ins Bergwerk. Tief unten im Schacht phantasiert er Iwans Ermordung:
„Ich habe Iwan Wienurowski zu Boden getreten; in ihm überwand ich den
russischen Menschen. Ich habe mich selbst erlöst: In mir machte ich den
deutschen Menschen frei. Nun stehen wir beide als unerbittliche Gegner gegenüber.“
Der Baseler Theologe und Psychoanalytiker Hartmut
Raguse kommentiert diese Textstelle: „So wie der Erzengel Michael den Satan
aus dem Himmel geworfen hat, so hat der Michael des Romans sich innerlich von
dem russischen Teufel erlöst.“ Und bezogen auf den gesamten Roman fährt er
fort: „Auch wenn direkte Zitate aus der Apokalypse fehlen, liest sich der Text
wie eine Deutung des 12. Kapitels.“ Er kommt zu dem Schluss: Goebbels hat sich
zuerst in der Phantasie und später durch die Tat mit der regressivsten Ebene
der Apokalypse identifizieren können.“ (Psychoanalyse
und biblische Interpretation)
Die politischen Folgen religiös begründeten
Satanisierung eines ganzen Volkes zeigt die
westeuropäische Verteufelung der Serben. Sie hat eine lange katholische
Tradition und erreichte im Zweiten Weltkrieg einen Höhepunkt. Besuchen Sie dazu
in Ahlens „Kosov@-Website“:
Jasenovac
- das „Auschwitz des Balkan“
Es wäre ein Irrtum zu glauben, Goebbels´ Roman sei
nur der religiös und politisch fehlgeleiteten Besessenheit eines einzelnen
entsprungen. Im Umfeld nationalsozialistischer „Feierlyrik“ gibt es eine
Unzahl vergleichbarer Texte. Richard Euringers Mysterienspiel „Deutsche
Passion“ von 1933 etwa arbeitet „wieder mit der Polarisierung des Welt- und
Geschichtsbildes in Gut und Böse“ (K. Vondung). Ein Gefallener des Weltkriegs
aufersteht von den Toten, um gegen den „bösen Geist“ zu kämpfen und
Deutschland zu retten.
| „Die Liebe hier und dort der Hass |
Unschwer ist im Verlauf des Spiels zu erkennen, dass
mit dem guten Geist der Erlöser Adolf Hitler gemeint ist. „Der 30. Januar
1933 wird als `Heilsereignis´ verstanden, als Sieg über das Böse schlechthin.
Das Dritte Reich ist zum endgültigen, vom Bösen gereinigten Zustand
innerweltlicher Erlösung transfiguriert“ (K. Vondung). Ähnlich bei Kurt
Eggers´ „Das Spiel von Job, dem Deutschen“:
| Job, du
Deutscher, alles Leben |
| ist in deine Hand gegeben. |
| Und du sollst einmal vom Bösen |
| Eine ganze Welt erlösen.“ |
Klaus Vondungs Fazit: „Die Folgen des Versuchs,
diesen Mythos in der Realität durchzuspielen, sind bekannt“ (Magie
und Manipulation. Ideologischer Kult und politische Religion des
Nationalsozialismus).
Eine Alternative im Umgang mit „dem Bösen“
entwickelt die Seite aus der Dokumentation zur Ahlener „Woche der Brüderlichkeit“
1999:
„Das Böse integrieren und heilen“
Auch die übrigen dokumentierten Texte kreisen um
dieses Problem einer heilenden Integration des „Bösen“ in das Gottesbild.
Klicken Sie dazu an: