Gold Saturns – Die „Schwarze Sonne“

- Semantische Aspekte eines Symbols  -

 

4.    Das Sonnenrad der Wewelsburg

Die Wewelsburg bei Paderborn sollte von Himmlers SS zum „Zentrum der Welt“ ausgebaut werden. Im Nordturm befindet sich der sogenannte „Obergruppenführersaal“. Es handelt sich um einen kreisrunden Raum, in dessen Marmorfußboden das Ornament eines zwölfstrahligen Sonnenrads eingelassen ist. Es bildet den Mittelpunkt nicht nur des Raums, sondern wäre auch das Zentrum der Gesamtanlage gewesen, hätte diese fertiggestellt werden können.

Seit dem 1991 erschienen Buch von Russell McCloud „Die schwarze Sonne von Tashi Lhumpo“, das sich rasch zu einem Kultbuch der rechten Szene entwickelte, wird das Ornament der Wewelsburg häufig als „Schwarze Sonne“ bezeichnet. Rüdiger Sünner („Schwarze Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter Esoterik) hat dem eine ausführliche Studie gewidmet. Der folgende Holzschnitt zeigt den Nordturm der Wewelsburg, hinter dem eine schwarze Sonne aufgeht. Die Gestalt im Vordergrund stellt Karl-Maria Wiligut, auch „Weisthor“ genannt, dar. Das Bild ist der Biographie von Hans-Jürgen Lange entnommen „Weisthor. Karl-Maria Wiligut. Himmlers Rasputin und seine Erben.“

Wiligut war zwar einige Jahre lang im engsten Kreis um Himmler tätig. Es ist aber bis heute unklar, ob der Begriff der „Schwarzen Sonne“ in der SS und bei der Ausgestaltung der Wewelsburg wirklich eine maßgebliche Rolle spielte, wie es in der rechten Szene immer wieder behauptet wird. Auf jeden Fall taucht das Symbol in den 50er Jahren bei den SS-Führern Mund (Mythos der Schwarzen Sonne)  und Landig (Romantrilogie „Götzen gegen Thule“) auf. Dort wird die „Schwarze Sonne“ zum „Ausgangspunkt der arischen Sendungsüberlieferung und Urquell der arischen Kräfte“.

Die Hauptbedeutung dieses     Symbols sei das durch die jüdisch-christliche Religion verdrängte „Urwissen“ um die „Geburt der nordischen Seele aus dem Sternenlicht“ und um die Herkunft der Germanen vom „Mitternachtsberg“ im hohen Norden, wo einst      „Luzifer“ als  Lichtbringer  herrschte, bevor man ihn in das Dunkel der Hölle stieß. An seine Stelle hätten die Juden ihren „zeternden, racheheischenden Stammesgott“ gesetzt und damit den Lauf der Weltgeschichte  als ewigen Kampf zwischen Thule und Juda programmiert.

(Sünner, Schwarze Sonne, S. 148f)

Gegen diese Verdrängung ursprünglicher nordischer Größe ruft Landig die „Schwarze Sonne“ als Widerstandssymbol auf. Als ein solches Symbol erscheint das Sonnenrad der Wewelsburg nun auch weltweit im Logo des neonazistischen Online-Dienstes  „Thule-Netz“. Unübersehbar beherrscht die „Schwarze Sonne“ die Hauptseite www.thulenet.com/index.cgi

Und nun ein kleiner Kommentar der Arbeitsgruppen - farblich gekennzeichnet:

Die Arbeitsgruppe IV behandelte in Ihren beiden Hauptthemen „Apokalypse 12“ und „Wagners Parsifal“ den ausgeprägten Dualismus und zeigte diesen an mehreren Beispielen auf.  Zudem nahmen wir Bezug auf die politische Dimension im Zusammenhang mit der elitären NS – Organisation, der SS. Zwar gehen wir in unseren Ausführungen nicht direkt auf das Sonnenrad der Wewelsburg ein, jedoch finden sich zahlreiche weitere Elemente in der Architektur der Wewelsburg die bereits in den von uns behandelten Themen zum Vorschein kamen. Bestes Beispiel ist hier die (geplante) Speerförmige Grundform der Wewelsburg. Das Sonnenrad ist eine weitere gern genutzte Symbolik  der SS. Wie die Schwarze Sonne stellt auch der Speer ein Wiederstandssymbol des „guten gegen das Böse“ dar.
Hitler neigte natürlich stark zu der dualistischen  Weltanschauung, die auch in Wagners Neuauflage von Eschenbachs Parzival, dem Parsifal, zu sehen ist. Dies stellt jedoch eine Umkehrung dessen dar, was Eschenbach ursprünglich mit seinem Parzival ausdrücken wollte.
Im Nationalsozialismus tritt mit verheerender Deutlichkeit zu Tage, zu welchen verheerenden politischen Konsequenzen die Spaltung der Welt in Gut und Böse, Licht und Finsternis führt. Hier entstand der Endkampf zwischen Thule und Juda  praktisch aus einer dualistischen Bewusstseinslage. Diese instrumentalisierte Hitler zur Legitimation seines Antisemtismus, indem er die Juden als "Kinder des Teufels" bezeichnete und sich selbst als lichter Michael stilisieren ließ. Der tönende Missbrauch dieses Schwarz-Weiß-Denkens im Kampf gegen das Judentum muss zu einer völligen Neuorientierung des Denkens führen, soll sich Rassismus und Intoleranz nicht wiederholen.

Die Schwarze Sonne könnte also durchaus in der NS- Zeit als ein spaltendes Symbol gedient haben, um eine Allianz gegen das Feindbild der „NICHT- ARIER” zu bilden.

Auch die Undine in Ingeborg Bachmanns Text „Undine geht” versucht, sich ähnlich gegenüber den Männern zu verhalten:

Zitat: „(...) Ihr mit eurer Eifersucht auf eure Frauen, mit eurer hochmütigen Nachsicht und eurer Tyrannei, eurem Schutzsuchen bei euren Frauen... (...)”

Mit vordergründig leidenschaftlichem Haß kritisiert sie die Männer, da diese nicht bereit sind, sich mit dem Weiblichen zu konfrontieren. So verhindern sie eine Einheit der Gegensätze.

Fazit: Jedoch kommt es bei der Undine nicht zu dem Aufbau eines wirklichen Feindbildes. Ihr eigenes, eigentlich trauerndes ICH bricht immer wieder durch die Hetzsalven gegen die Männer durch. Sie gelangt schließlich zu der Einsicht, daß diese Schaffung eines Feindbildes den Menschen in Abspaltungen treibt, wie man auch es auch bei den Nazis beobachten konnte.