Die
Wewelsburg bei Paderborn sollte von Himmlers SS zum „Zentrum der Welt“
ausgebaut werden. Im Nordturm befindet sich der sogenannte „Obergruppenführersaal“.
Es handelt sich um einen kreisrunden Raum, in dessen Marmorfußboden das
Ornament eines zwölfstrahligen Sonnenrads eingelassen ist. Es bildet den
Mittelpunkt nicht nur des Raums, sondern wäre auch das Zentrum der Gesamtanlage
gewesen, hätte diese fertiggestellt werden können.
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dem 1991 erschienen Buch von Russell McCloud „Die schwarze Sonne von
Tashi Lhumpo“, das sich rasch zu einem Kultbuch der rechten Szene
entwickelte, wird das Ornament der Wewelsburg häufig als „Schwarze
Sonne“ bezeichnet. Rüdiger Sünner („Schwarze
Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und
rechter Esoterik) hat
dem eine ausführliche Studie gewidmet. |
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Wiligut
war zwar einige Jahre lang im engsten Kreis um Himmler tätig. Es ist aber bis
heute unklar, ob der Begriff der „Schwarzen Sonne“ in der SS und bei der
Ausgestaltung der Wewelsburg wirklich eine maßgebliche Rolle spielte, wie es in
der rechten Szene immer wieder behauptet wird. Auf jeden Fall taucht das Symbol
in den 50er Jahren bei den SS-Führern Mund (Mythos
der Schwarzen Sonne) und
Landig (Romantrilogie „Götzen
gegen Thule“)
auf. Dort wird die „Schwarze Sonne“ zum „Ausgangspunkt der arischen
Sendungsüberlieferung und Urquell der arischen Kräfte“.
Die
Hauptbedeutung dieses Symbols
sei das durch die jüdisch-christliche Religion verdrängte „Urwissen“ um
die „Geburt der nordischen Seele aus dem Sternenlicht“ und um die Herkunft
der Germanen vom „Mitternachtsberg“ im hohen Norden, wo einst
„Luzifer“ als
Lichtbringer herrschte, bevor man ihn in das Dunkel der Hölle stieß. An
seine Stelle hätten die Juden ihren „zeternden, racheheischenden Stammesgott“
gesetzt und damit den Lauf der Weltgeschichte
als ewigen Kampf zwischen Thule und Juda programmiert.
(Sünner,
Schwarze
Sonne,
S. 148f)
Gegen diese Verdrängung ursprünglicher nordischer Größe ruft Landig die „Schwarze Sonne“ als Widerstandssymbol auf. Als ein solches Symbol erscheint das Sonnenrad der Wewelsburg nun auch weltweit im Logo des neonazistischen Online-Dienstes „Thule-Netz“. Unübersehbar beherrscht die „Schwarze Sonne“ die Hauptseite www.thulenet.com/index.cgi
| Die Arbeitsgruppe IV behandelte in Ihren beiden Hauptthemen „Apokalypse 12“ und „Wagners Parsifal“ den ausgeprägten Dualismus und zeigte diesen an mehreren Beispielen auf. Zudem nahmen wir Bezug auf die politische Dimension im Zusammenhang mit der elitären NS – Organisation, der SS. Zwar gehen wir in unseren Ausführungen nicht direkt auf das Sonnenrad der Wewelsburg ein, jedoch finden sich zahlreiche weitere Elemente in der Architektur der Wewelsburg die bereits in den von uns behandelten Themen zum Vorschein kamen. Bestes Beispiel ist hier die (geplante) Speerförmige Grundform der Wewelsburg. Das Sonnenrad ist eine weitere gern genutzte Symbolik der SS. Wie die Schwarze Sonne stellt auch der Speer ein Wiederstandssymbol des „guten gegen das Böse“ dar. |
| Hitler neigte natürlich stark zu der dualistischen Weltanschauung, die auch in Wagners Neuauflage von Eschenbachs Parzival, dem Parsifal, zu sehen ist. Dies stellt jedoch eine Umkehrung dessen dar, was Eschenbach ursprünglich mit seinem Parzival ausdrücken wollte. |
| Im
Nationalsozialismus tritt mit verheerender Deutlichkeit zu Tage, zu
welchen verheerenden politischen Konsequenzen die Spaltung der Welt in Gut
und Böse, Licht und Finsternis führt. Hier entstand der Endkampf
zwischen Thule und Juda praktisch
aus einer dualistischen Bewusstseinslage. Diese instrumentalisierte Hitler
zur Legitimation seines Antisemtismus, indem er die Juden als "Kinder
des Teufels" bezeichnete und sich selbst als lichter Michael
stilisieren ließ. Der tönende Missbrauch dieses Schwarz-Weiß-Denkens im
Kampf gegen das Judentum muss zu einer völligen Neuorientierung des
Denkens führen, soll sich Rassismus und Intoleranz nicht wiederholen. |
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Die Schwarze Sonne könnte also durchaus in der NS- Zeit als ein spaltendes Symbol gedient haben, um eine Allianz gegen das Feindbild der „NICHT- ARIER” zu bilden. Auch
die Undine in Ingeborg Bachmanns Text „Undine geht” versucht, sich
ähnlich gegenüber den Männern zu verhalten: Zitat: „(...) Ihr
mit eurer Eifersucht auf eure Frauen, mit eurer hochmütigen Nachsicht und eurer Tyrannei, eurem Schutzsuchen bei euren Frauen... (...)” Mit
vordergründig leidenschaftlichem Haß kritisiert sie die Männer, da
diese nicht bereit sind, sich mit dem Weiblichen zu konfrontieren. So
verhindern sie eine Einheit der Gegensätze. Fazit: Jedoch kommt es bei der Undine nicht zu dem Aufbau eines
wirklichen Feindbildes. Ihr eigenes, eigentlich trauerndes ICH bricht immer wieder
durch die Hetzsalven gegen die Männer durch. Sie gelangt schließlich zu
der Einsicht, daß diese Schaffung eines Feindbildes den Menschen in
Abspaltungen treibt, wie man auch es auch bei den Nazis beobachten konnte. |