Abschied |
Abschied vom "lieben Gott" Die Verteufelung der Juden hatte eine jahrhundertelange Vorgeschichte, die tief in christliche Glaubensvorstellungen hinabreicht und das christliche Gottesbild selbst berührt. Ihm entspringt nämlich die Tendenz, jegliche Finsternis von einem nur lichten Gott abzuspalten. Das brachte jedoch die Gestalt des Teufels hervor. Dem nur "lieben Gott" trat das Phantom eines nur bösen Gegenspielers gegenüber. Als "Antichrist" und "Satan" konnte es nach Bedarf im "bösen Andern" wiedergefunden werden. Im christlichen Glaubensbekenntnis heißt es aber nicht: "Ich glaube an den lieben Gott." Es heißt vielmehr: "Ich glaube an den Einen Gott." Der Prophet Jesaja drückt das so aus: "Ich bin es und keiner sonst der das Licht bildet und die Finsternis schafft, das Gute und das Böse!" Es scheint zwar paradox. Wie wir in unseren Bildern und Szenen jedoch sehen werden, erscheint der nur "liebe Gott", der nur das Licht bildet und nur das Gute schafft, keineswegs lieb, sondern todbringend. Er vergiftet die Seele. Um es auf den Punkt zu bringen: Mit dem "lieben Gott" geht der Mensch zum Teufel. |